Wie aus den Weilener die Hummel wurden


Am Nachmittag des 29. Juli 1787 kam es auf dem nahe liegenden Wochenberg zu einer der häufigen „Schlachten“ zwischen den Schörzinger und den Weilener Buben. Die Weilener, die bereits ihre Stellungen eingenommen hatten, begrüßten die Schörzinger mit auserlesenen Schimpfworten und Spotkanonaden. 

Mit diesem großen Geschrei wurden die eigentlichen „Kampfhandlungen“ eingeleitet. Danach folgten mutige Herausforderungen, wie zu Zeiten David gegen Goliath. Nun sauste der erste Stein durch die Luft, dem bald ein ganzer Hagel hinüber und herüber folgte. Die großen Kerle mit den Haselnussstecken lagen noch hinter den Fronten in Bereitschaft. Aber ehe es zum Nahkampf kam, hatte der Anführer der Schörzinger Buben einen Stein an den Kopf bekommen und musste hinter die Linien an den Verbandsplatz gebracht werden. 

Während der entstandenen Stockung im Kampf trat aus den Reihen der Schörzinger ein kleiner Knabe, bei dem das Hemd und die Hose noch ein Stück bildete, vor die Front und stotterte aufgeregt: „Jo ihr Weilemer Kerli, ihr hon is´rm Bachuori (Bach-Ulrich) s´halbe Hirn rausgworfa!“ 

Darauf hin erhob sich in den Weilener Reihen ein wahres Indianergeheul: 

Halbhirn!! Halbhirn!! Halbhirn!! 

Bald aber ging die Schlacht weiter, und bald kam es zum Nahkampf mit den Haselnussstecken. Und auch die Weilener mussten ihren Hauptmann gleich blutend wegbringen. Sie baten um Waffenstillstand, da der lange Cyriak Seifritz (geb. 1767, gest, 1833) so eins auf den Kopf bekommen hatte, dass ihm, Zitat: "der Schädel brummte, als wenn ein ganzer Hummelschwarm darin säße". 

In den Schörzinger Reihen erhob sich nun ihrerseits ein Chor: 

Hummler!! Hummler!! Hummler!! 

Für diesen Tag war die Schlacht beendet, aber seither haben die Schörzinger als auch die Weilener ihren örtlichen Spitznamen bis auf den heutigen Tag: 
                                       

                                      Die Halbhirn und die Hummel 
Quelle: Ortsbuch von Weilen unter den Rinnen, Auflage aus dem Jahr 1969

Die Zunft früher

Bereits in den vergangenen Jahrhunderten gab es in Weilen närrisches Brauchtum, welches aber nicht wie in der heutigen Zeit organisiert war. 


Aus dem 19. Jahrhundert wurden verschiedene Überlieferungen von Vorkommnissen niedergeschrieben. So auch aus dem Jahre 1892, als auf Bitten des damaligen Dorfpfarrers Dettinger der Schultheiß Lorenz Koch die Fasnachtumzüge und das allgemeine Fasnachtstreiben verbot. Dies geschah aufgrund des großen Hagelschlages am 3. September des Vorjahres. Die jungen Leute waren über diesen Beschluss des Bürgermeisters nicht sehr erbaut. Darum hielten sich viele junge Leute auch gar nicht daran. 

Als der Schultheiß sich auf dem Weg von seiner Wohnung in das Rathaus befand, wurde er von einer Gruppe junger Leute angehalten und belästigt. Sein Schwiegersohn, der Schmid Johannes Koch, kam ihm zu Hilfe und riss einigen Burschen die Masken, welche sie zum Schutz vor Erkennen aufgezogen hatten, vom Gesicht. 

In der folgenden Nacht kam es zu Ausschreitungen, in folge dessen dem Schultheiß und seinem Schwiegersohn die Fensterscheiben eingeworfen wurden. Die Familien mussten sich, so die Überlieferung, vor den Steinen in Sicherheit bringen.  Die folgen dieser Nachtruhestörung und Hausfriedensbrüche waren für die Gemeinde ein schwerer Schlag. Es ergaben sich langjährige Feindschaften in der kleinen Gemeinde. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, als die erste Musikgruppe in Erscheinung trat, fanden wieder größere Fasnachtsumzüge und Theateraufführungen statt. Mir der Auflösung der Musikkapelle ging das organisierte Fasnachtstrieben leider wieder zurück.

Dies dauerte es bis nach dem zweiten Weltkrieg, nämlich 1947, ehe die Fasnacht in Weilen wieder neu aufgezogen und von einem neu gewählten Elferrat organisiert wurde. Damals war der Verein jedoch nicht in das Vereinsregister des Landgerichts Balingen eingetragen. Dies geschah im Jahr 1964. Seither wird die Fasnacht in Weilen jedes Jahr vom Weilener Elferrat organisiert.

 


 

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1992 konnte die Weilener Fasnacht aufgrund des Golfkrieges leider nicht stattfinden. Das war jedoch das einzige mal in der über 50-jährigen Geschichte, dass die Weilener Fasnacht ausfallen musste. 

Dorffasnet ca. 1980

Gruppenaufnahme von 1992

1997 wurde zum ersten mal am Montagmorgen die Festhalle nicht geöffnet. Stattdessen fand in der Villa Kunterbunt (bei Frank Weinmann) die erste Besenwirtschaftsparty statt. Der Zulauf war gewaltig. Im folgenden Jahr bewirteten Angelika und Siegbert Peter in ihrem Schopf hinter dem Haus die Ballermann-Party. So wird seither an jedem Montagabend die Fasnacht in einer Besenwirtschaft gefeiert. Legendär auch das Fest im Fabrikle, das der Musikverein veranstaltete, oder die Apres-Ski-Party in den Proberäumen des Musikvereins.

Eine kleine Krise im Jahr 1998 konnte durch das Engagement von Bernhard Seeburger überwunden werden, als sich 4 der elf Gremiumsmitglieder nicht mehr zu Wahl stellten. In hitzigen Verhandlungen während der Generalversammlung am 09. November 1998 hing die Existenz des Narrenvereins an einem seidenen Faden. Nach langen Diskussionen und zähen Verhandlungen konnten jedoch wieder 5 neue Elfer gefunden werden. Damit war der Verein gerettet und die Fasnacht in Weilen konnte weiterhin stattfinden. 

Bei der Generalversammlung 2000 trat unser langjähriges Mitglied Erwin Weinmann aus persönlichen Gründen von seiner Tätigkeit aus dem Elferrat zurück. Erwin Weinmann war 23 Jahre als Elferrat in der Narrenzunft tätig und riss durch seinen Rücktritt ein Loch in die Reihen des Elferrates. Er war einfach der Meinung, dass 23 Jahre genug wären und man deshalb die Jungen ermutigen sollte, in der Narrenzunft im Elferrat mitzuarbeiten. Im Vorfeld der Generalversammlung konnte der Elferrat mit Thomas Gapp einen neuen Elferrat gewinnen. Das Kuriose dabei ist, dass zum ersten mal in der Geschichte der Narrenzunft Vater und Sohn gleichzeitig im Gremium vertreten sind. 

2005 wurde dann die Garde gegründet und komplettiert seither unseren Verein

2008 dann kam es zu einer weiteren einschneidenden Änderung in der Besetzung des Elferrates. Nach über Zwanzigjähriger Zugehörigkeit im Gremium trat Franz Gapp als Elferrat zurück. zu seinem Nachfolger wurde Tobias Dannecker in den Elferrat gewählt und füllt seither die entstandene Lücke mit Bravur aus.

2012 wurden gleich 4 neue Elferräte gewählt. Gründe hierfür sind, dass der Elferrat seit 2010 statt der üblichen 12 nur mit 11 Mitgliedern besetzt war und in diesem Jahr ein weiterer Platz frei wurde. Die beiden freien Gremiums plätze hätten durch vier Kandidaten besetzt werden können. Und deshalb schlug der Elferrat der Versammlung vor, die Zahl der Beisitzer von max. 8 auf max. 10 zu erhöhen. Vor der Abstimmung wurden in einer kurzen Diskussion die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen. Das Ergebnis von 37 Ja – Stimmen gegen 2 Nein – Stimmen war aber eindeutig und bewies, dass die meistens Mitglieder dieses Vorgehen befürworteten. Die Kandidaten Christian Schätzle, Christian Weiss, Daniel Reiner und Daniel Pröbster wurden einstimmig in das Gremium gewählt. Der Elferrat zählt seit dem 14 Räte.

 

2014 wurde dann das 50-Jährige Hummeljubiläum mit einem großen Narrentag und anschließender Partynacht gefeiert. Mit dabei waren die Zünfte Beffendorf, Egesheim, Boll, Zimmer u.d.B., Deilingen-Delkofen sowie die Neukicher Schellen Hexen.

2015 feierte unsere Garde ihr 10 jähriges bestehen mit einer Geburtstagsparty. Mit dabei waren die Garden aus Ratshausen, Deilingen, Königsheim und Roßwangen

2018 gab es Personelle Veränderungen im Elferrat.

In der Generalversammlung schieden Alexander Dannecker und Hermann Morales nach langjähriger Elferratstätigkeit aus, hierfür kamen die Brüder Daniel und Michael Widmer neu hinzu.

Auch hat sich am Vorstand etwas geändert so trat Reinhold Weiss nach 12 Jahren Narrenvater zurück und machte den Weg frei für den neu gewählten Narrenvater Ralf Weinmann.

Da somit die Stelle des 2. Vorstands frei wurde, wird in Zukunft Tobias Dannecker dieses Amt führen.

Sämtliche zur Wahl stehenden Positionen wurden einstimmig ohne Gegenstimmen durch die Mitglieder gewählt

Der Hummel

Der Hummel besteht im wesentlichen aus den Grundfarben schwarz, braun und gelb entsprechend seinem natürliche Vorbild. Er trägt schwarze Schuhe, dazu Stulpen mit gelben Boppeln , die die Blütenpollen symbolisieren sollen. Die schwarze Hose ist traditionell aus Cord-Stoff gefertigt. Das Kleid selbst besteht aus braunem Samt. Ursprünglich wurde es von einem Deilinger Maler entworfen

Das Kopfteil setzt sich aus einer Holzmaske mit freundlichem Gesicht, Fühlern und einem braunen Samttuch zusammen. Darauf befestigt ist noch eine Pollenkrone. Die Maske wurde von einem Rottweiler Holzschnitzer entworfen und wurde im Laufe der Jahre verfeinert.

Ergänzend dazu trägt der Hummel sein Geschell, dies sind beim Hummel Glocken aus Messing, befestigt an einem Lederriemen. Jeder Hummel trägt jeweils einen dieser Geschellriemen. Das Geschell dient dazu, den Winter zu vertreiben und den nahenden Frühling willkommen zu heißen. 


Jeder Hummel besitzt über die Fasnachtstage einen Korb, angefüllt mit Süßigkeiten, welche bei den Umzügen an Kinder und anständige Narren  verschenkt werden. 


Im Jahre 1990 wurde das Kleid durch verschiedene Stickereinen und gelbe Bordüren aufgewertet. Die Bordüren, die am Saum des Kleides angenäht sind, sollen die pelzhaarige Behaarung des Hummels symbolisieren. 
Stickereien befinden sich auf der Vorderseite des Kleides, dies sind der Wappen der Gemeinde Weilen und eine Abbildung einer Sonnenblume. 

Auf der Rückseite des Kopftuches ist der Dorfplatz eingestickt, mit unserer ältesten Fasnachtstradition, der Polonaise am Rosenmontagmorgen 

 

Der Hummel kann selbstverständlich auch käuflich erworben werden. Die Kosten liegen im Bereich von ca. 1000,-Euro

 

 

Der Weilener Hummelmarsch